L’art pour l’art – Kunst als Selbstzweck

Ein alter Schnappschuss von mir: Ich stand zufällig unter der Brücke (Das müsste übrigens in Vancouver / Canada gewesen sein), guckte nach oben, war begeistert und drücke ab…Abgesehen von der S/W-Nachbearbeitung, war’s das auch schon. Ein „Kunstwerk“ war geboren oder doch nicht?

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Kunst liegt (wie auch Schönheit, Geschmack etc.), im Auge des Betrachters. Man sieht etwas, was einen anspricht, wie zum Beispiel diese Brückenkonstruktion. Fokussiert und drückt ab. Braucht eine Fotografie immer mehr als das, um als Kunst angesehen und genossen zu werden? Anders gefragt: Muss einem Kunstwerk immer ein komplizierter, über Jahre (an)trainierter und perfektionierter, handwerklich anspruchsvoller „Schaffensprozess“ vorangehen damit man es, ohne rot zu werden, als Kunstwerk bezeichnet?

Ich ertappe mich immer wieder bei Gedanken wie diesen: „Oh, das ist jetzt aber zu simpel. Der Ausschnitt ist nicht wirklich perfekt, es rauscht etwas, da es mit einer kleinen Point & Shoot Kamera und nicht mit meiner „Super-Duper“ Canon 5D mkII inkl. Batteriegriff und L-Objektiv aufgenommen wurde. Oh, Mann, über das Foto lacht bestimmt jeder in der Foto Community®, dass veröffentliche ich besser nicht….“Haaaaalllllt Stop!!! Was mach‘ ich da eigentlich? Fast wäre die Falle zugeschnappt! Puh, das war knapp 🙂 So ein Quark…Ich hatte Spaß bei der Aufnahme, bei der Bearbeitung und auch nach Jahren und vielen weiteren Bildern und Weiterentwicklung meiner Fähigkeiten, schaue es mir immer wieder gerne an. Ich mag‘ das Bild einfach. Für die einen ein Schnappschuss – Für die anderen ein Kunstwerk. Who cares? Verdammt, was will ich mehr?

Was mir immer wieder hilft, ist meine kleinkindliche Begeisterung, so weit ich mich daran erinnern kann, vor meinem geistigen wieder Auge aufleben zu lassen. Es gab‘ kein Richtig oder Falsch. Kein Schön oder Hässlich. Stolz und Freude stellten sich bei jedem „Kunstwerk“ ein, das man mit seinen kleinen und vollkommen untrainierten Finger und seiner naiven Kreativität, ohne jeglichen Hintergedanken geschaffen hat. Und das tollste: Alle sagten einem, wie schön man das gemacht hätte. Na ja, fast alle, Oma & Opa war ich meistens ein Dorn im Auge, ich konnte so gut wie nichts richtig machen 🙁 Aber das ist eine andere Geschichte und hat nicht all zuviel Schäden hinterlassen 😉 Aber zurück zur Freude des „Künstlers“ 🙂 Aus dem Kleinkind, wurde ein Kind, ein Jugendlicher, ein Erwachsener und die Ansprüche wurden immer größer. Der Vergleich mit anderen trieb einen vorwärts, seine eigenes Können immer weiter zu verbessern. Man erntete Lob, Kritik aber auch Schmähungen. Aber all das stachelte einen weiter auf, besser zu werden und alle von seinem Können zu überzeugen, die Kritiker zum verstummen zu bringen, von allen geliebt und respektiert zu werden…Endlich Glück und Harmonie zu finden! Aber es gibt so viele da „draußen“ und die, die einen gerade noch toll fanden, ignorieren einen im nächsten Moment. Hm…was kann ich nur tun?

Einfach weiter dem eigenen Instinkt folgen, sich von den anderen gerne inspirieren lassen, aber  niemals deren und den eigenen „Erfolg“ zum Maas aller Dinge werden lassen! Sich selber nicht so bierernst zu nehmen hilft natürlich auch immens! Mit sich selber (und seinen Mitmenschen) nett und verständnisvoll umzugehen, hilft noch mehr 😉

Kunst aus reine reiner „Spaß an der Freude“, „Kunst um der Kunst willen“ oder wie der Franzose sagt: „L’art pour l’art“. Respekt, Zuneigung und eine ordentliche „Ego-Massage“ sind nur extrem kurzweilige Nebeneffekte. In maßen genossen einfach Spitze! Aber, unbemerkt und schleichend können diese zu einer Droge werden, in deren Abhängigkeit man schließlich glaubt, ohne einen regelmäßigen „Schuss“, nicht weiter kreativ sein zu können…In dem Sinne 😉 Aufpassen und täglich dass eigene Ego im Auge behalten…Man weiss nie so richtig, was es gerade wieder anstellt 😆


One Response to “L’art pour l’art – Kunst als Selbstzweck”

  • Stephan Rose Says:

    Hallo Michael,
    hab´selten soviel Spaß beim Lesen eines Blogs gehabt:-) Ich glaube soviel wie du hier schreibst, habe ich im Leben noch nicht geredet:-)
    Und ich bin noch lange nicht hier durch:-)
    Weiter so!!
    LG Stephan

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